Immer wieder du – und ich mittendrin

Veröffentlicht am 26. Oktober 2025 um 10:00

Über eine Verbindung, die kracht, leuchtet, schwankt – aber bleibt.

© 2025 Lisa Widerek · Über Liebe, Spiegelungen und das Wachsen inmitten von Chaos

 


 

Vorwort: Ein Text aus einer anderen Zeit

Bevor du diesen Beitrag liest, möchte ich dir etwas mitgeben: Dieser Text stammt aus einer Phase, die roh, ungeschützt und unfertig war. Eine Zeit, in der ich noch suchte, statt zu wissen. In der Liebe für mich ein Wechselspiel war zwischen Sehnsucht und Überforderung, Nähe und Flucht, zwischen dem Wunsch, endlich anzukommen – und der Angst davor.

Damals war vieles bei mir noch nicht so konkret benannt und erkannt: Autismus, ADHS, Trauma, Regulation, Masking. Ich schrieb aus dem Bauch heraus, ohne die Sprache, die ich heute habe. Heute weiß ich mehr. Und ich weiß, dass vieles von dem, was ich damals fühlte, keine Schwäche war – sondern der Beginn meiner Heilung.

Er – oder wie ich ihn oft nenne: mein Lieblingsmensch – ist bis heute und mehr denn je Teil meiner Geschichte. Nicht mehr als Chaos, sondern als Konstante. Wir sind ruhiger geworden, reifer, ehrlicher. Mein gesamter Therapieweg basiert zu einem großen Teil auf dieser Verbindung, weil sie mein Spiegel war – und noch immer ist. Durch ihn habe ich gelernt, mich selbst zu sehen, ohne mich zu verurteilen.

Wenn du also beim Lesen dieses alten Textes spürst, dass er anders klingt als das, was ich heute schreibe – dann stimmt das. Er ist eine Momentaufnahme. Ein Stück meiner Entwicklung. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er bleiben darf.

 


 

Manche Menschen schleichen sich nicht leise in dein Leben.

Sie platzen hinein.

Mit allem, was sie sind.

Mit einem Blick, der trifft, bevor du ausweichen kannst.

Mit einem Funken, der Dinge entzündet, die du längst für gelöscht gehalten hattest.

 

So einer ist er.

 

Unsere Geschichte war nie leise.

Sie kam wie ein Sommergewitter – laut, elektrisierend, mit diesem knisternden Gefühl, dass gleich alles in Flammen stehen könnte.

Nicht zerstörerisch. Sondern kraftvoll. Lebendig.

Ein "Ich sehe dich" inmitten von tausend Stimmen, die nie hingeschaut haben.Vom ersten Moment an war da kein „vielleicht“.

Kein vorsichtiges Abtasten, kein Wenn und Aber.

Es war ein Knall. Ein Blick. Ein Wir.

Ein Gefühl von: „Ach so. Da bist du.

 

Wir sind uns nicht zufällig begegnet.

Wir sind uns passiert.

Mit Wucht. Mit Herz. Mit Chaos.

 

Und ganz ehrlich:

Es waren zu viele Zufälle.

Zu viele Wiedersehen, zu viele Schnittstellen, zu viele Blicke genau im richtigen Moment.

Irgendwann hört es auf, Zufall zu sein – und fängt an, wie ein Zeichen zu wirken.

Als hätte das Leben kurz gelächelt und gesagt: „Na endlich.“

 

 

Wir sind wie zwei Teile eines Puzzles, das sich noch nicht entschieden hat, welches Bild es zeigt.

 

Es gibt Explosionen – schöne, wilde, zarte, wütende.

Es gibt Rückzüge, Zweifel, Durcheinander.

Aber es gibt auch das unausgesprochene Wissen:

Das hier ist nicht einfach. Aber es ist echt.

 

Und auch wenn das Leben manchmal versucht, uns auseinanderzureißen –

er kommt immer wieder zurück.

Manchmal leise.

Manchmal mit Dönerboxen.

Manchmal mit einem dieser Blicke, die alles sagen.

 

 

Unser Running Gag ist nicht nur ein Witz. Er ist ein Versprechen.

 

Du rennst weg – und ich finde dich.

Oder: „Ich bring dich um – aber nicht sofort.

Oder: „Sag mir, wann ich wiederkommen soll.

 

Was auch immer wir uns sagen – wir lachen.

Weil wir wissen:

Das Dazwischen ist unser Rhythmus. Unser Code.

Unser „Ich sehe dich, auch wenn du dich selbst nicht siehst.

 

 

Unsere Gehirne? Erschreckend ähnlich.

 

Ich mit Diagnose(n).

Er ohne.

Noch.

Was das wohl zu bedeuten hat?

Zwinkert mit dem rechten Auge und sagt nichts weiter dazu.

 

Flamingos übrigens – bleiben ein Leben lang loyal.

 

Sie wirken auf den ersten Blick seltsam, schräg, aus der Zeit gefallen.

Aber sie erkennen sich.

In einer Welt, in der so viele nur auf Oberflächen schauen, finden sie Tiefe.

Zueinander.

 

So ist das vielleicht auch mit uns.

 

 

Neurodivergenz, Hochbegabung, ADHS, Autismus – all diese Begriffe erklären viel.

 

Aber das Entscheidende ist:

Menschen wie wir verdrahten schneller.

Wenn wir connecten, dann mit Haut und Hirn und Herz.

Weil wir Muster erkennen, wo andere nur Rauschen hören.

Weil wir Tiefe suchen, wo andere flüchten.

 

Und wenn er kommt, dann spüre ich das.

Wie etwas in mir auf Empfang geht.

Und ich? Ich warte nicht.

Ich bin einfach bereit.

 

 

Vielleicht ist das hier keine klassische Liebesgeschichte.

 

Aber es ist unsere.

Und sie ist alles – nur nicht langweilig.

Selbst, wenn wir mal still sind.

Denn mit ihm fühlt sich selbst die Langeweile tief und gut an.

 

Ich weiß nicht, was wir sind.

Aber ich weiß, dass wir uns sind.

 

Und manchmal – wenn ich denke, es ist vorbei,

kommt er zurück.

Wie ein Running Gag, den das Leben einfach zu gut findet, um ihn gehen zu lassen.

 

Und dann?

Dann fängt es wieder an zu flimmern.

 

Herzlich,

FliWi

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